Tierquälereien im St. Marxer Schlachthof.

Historisches Foto der Rinderhalle
Historisches Foto der Rinderhalle

Beim Durchforsten von alten Zeitungen finden wir immer wieder seltsame und/oder auch grausliche Artikel. Diesmal lernten wir erstens, dass es schon vor 106 Jahren einen Tierschutzverein gab und zweitens, dass damals wie heute ein Schlachthof kein Mädchenpensionat ist. Wie schlimm es damals in St. Marx zuging könnt ihr hier nachlesen.

Tierquälereien im St. Marxer Schlachthof.

Das Schlachtvieh ist per Bahn nach Wien gekommen.
Das Schlachtvieh ist per Bahn nach Wien gekommen.

Schon seit mehreren Jahren prangerte der Tierschutzverein gegen Tierquälereien beim Ausladen der Schlachttiere in St. Marx. Man machte in Eingaben und Beschwerden an die Polizeidirektion und dem Bürgermeister darauf aufmerksam.

Im Jahre darauf wurde in einer neuen Viehtriebverordnung bestimmt, dass die Viehtreiber mit Nummern erkennbar gemacht werden müssen und jegliche Misshandlung der Tiere durch die Treiber wurde verboten.

Nachdem der Tierschutzverein nun wieder von neuen Tiermisshandlungen gehörte hat, begaben sich unlängst drei der verlässlichsten Tierschützer auf den Schlachtviehmarkt.

Ein ochse wird zur Schlachtbank geführt.
Ein ochse wird zur Schlachtbank geführt.04

Sie bekamen dabei barbarische Dinge zu sehen. Die Schlachtochsen wurden mit dicken Holzprügel geschlagen. Auch beim „Eintreiben“ in die eisernen Rinderstände spielten sich hässliche Szenen ab. Mehrere Treiber schlugen die Ochsen mit dicken Knüppeln über die Augen, die Köpfe und traten sie mit Füßen in die Weichteile. Dabei wurden oft die Augen eingeschlagen und die Tiere schwer verletzt. 

Ähnliche abstoßende Vorgänge wurden bei der Laderampe  für Schweine bemerkt. Manchen Schweinen werden die Füße gebrochen, der Schweif abgedreht, die Ohren abgerissen, so dass die armen Tiere fürchterlich leiden mussten. Seitens des Tierschutzvereins wird nun auf die Gefahr von Wundfieber hingewiesen und auch auf die Gefahr, die der Wiener Bevölkerung dadurch droht.

Auch damals wusste man auch schon, dass das Fleisch von verletzten und wund geschlagenen Tiere, die überdies noch zu Tode geängstigt sind, auch nur mindere Qualität hat.

Damals schon mussten die Tiere für unser Essen viel erleiden, heute, 106 Jahre später hat sich nicht viel verändert. Doch ein wenig hat sich geändert – die Zeit und die Automation. Weniger Arbeiter können mehr Tiere in kürzerer Zeit schlachten

Die Tiere leiden, bis auf wenige Ausnahmen immer noch wie damals.

Gefunden haben wir diesen Artikel in der Illustrierte Kronen Zeitung vom 4. März 1908 auf Seite 2 im Verzeichnis ANNO der Nationalbibliothek.

 

 

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