Die Reichsgräfin Triangi

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Sie kam am 6. Mai 1868 in Brünn als Tochter des jüdischen Seidenfabrikanten Jakob Samek und dessen Ehefrau Sophia, geborene Herschmann zur Welt und wurde im Geburtenbuch der Brünner Synagoge als Antoinette Beatrice Samek eingetragen.

1887 heiratete sie den jüdischen Brünner Fabrikanten Rindskopf. 1894 trennte sie sich von ihrem Mann, konvertierte in der Kirche Maria Geburt am Rennweg und änderte ihren Namen auf Riedhorst.

1897 heiratete sie in der serbisch-orthodoxen Kirche Veithgasse den bulgarischen Kaufmann Ivan Dragulow, nachdem sie zur orthodoxen Kirche übergetreten war.

1899 wurde auch diese Ehe getrennt und Antoinette Beatrice wurde 1903 evangelisch A.B., um den Redakteur der „Österreichisch-ungarischen Betriebsbeamtenzeitung“ Albano Hugo Josef Reichsgraf Triangi, der 1926 starb, heiraten zu können. Dieser Ehe entstammte eine Tochter, die in den Dreißigerjahren an der Dresdner Oper als Sängerin wirkte.

Reichsgräfin Triangi
„Die Triangi“ in jungen Jahren

  Die Wandlung der Reichsgräfin Triangi

Nach dem Tod ihres Mannes wandte sich die 60jährige exaltierte und lebenslustige Witwe der „Kunst“ zu, nachdem sie das Flöten- und Mundharmonikaspielen erlernt hatte. Sie trat nun in Kabaretts, Kleinkunstbühnen und Vorstadtlokalen auf.

Karikatur
Karikatur

Dieses Bild schmückte die Titelseite der Wochenzeitschrift „Die Bühne“. Einer Einladung des Brauhaus-Restaurants Simmering zum Auftritt der Triangi entnehme ich folgenden warnenden Hinweis:

Wichtig! Jede der Reichsgräfin Triangi zugefügte Beleidigung ist verboten und wird sofort gerichtlich verfolgt.

Das Publikum amüsierte sich über die freizügigen Solotänze der fülligen älteren Frau, die sie selbst mit ihren musikalischen Darbietungen begleitete.

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Nach dem „Anschluss“ verließ die 70jährige nur noch selten ihre Wohnung im Haus Rennweg 94, weil sie Anpöbelungen befürchtete.

Dir Gräfin in der Nazi-Zeit

Am 5. Dezember 1939 meinten sich die neuen Machthaber in der „Ostmark“ vor der inzwischen 71Jahre alten Frau durch die Aufnahme dieser von der GESTAPO gemachten Fotos schützen zu müssen. Vom 17. Februar bis 5. März 1940 war sie in GESTAPO-Haft. Wenige Tage nach ihrer Enthaftung wurde sie wegen einer plötzlichen Erkrankung in die Krankenanstalt Rudolfstiftung gebracht, von wo sie bereits am nächsten Tag in die Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof überstellt wurde, wo sie am 28. April 1940 starb.

GESTAPO-Foto der Reichsgräfin Triangi
GESTAPO-Foto

In unserem Museumheft 2003 / 1 erinnerten wir ausführlich an diese ungewöhnliche Frau.

Reichsgräfin Triangi
Herr Dr. Thomas Ratzka – tt.ratzka@web.de – machte uns darauf aufmerksam, dass der Maler Christian Schad (1894-1982) im Jahre 1926 Triangi auf seinem Gemälde „Triglion“ verewigte. Das Bild ist unter anderem im Katalog „Christian Schad. Das Frühwerk 1915-1935“, Paris 2002, S. 99 zu finden.
Triagi in der Kronen Zeitung
Die Reichsgräfin in einer Ausgabe der Kronenzeitung.
Quelle: Nationalbibliothek

 

Quelle, Text und Bilder: © by Prof Hauer – Bezirksmuseum Landstraße

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