12. März 1421 – Hinrichtungen auf der Gänsweyd – die Wiener Geserah

Wiener-GeseraEtwa 200 Juden wurden am 12. März des Jahres der Herrn 1421, am St.-Gregorius-Tage, in Erdburg auf einer Wiese neben der Donau insgesamt durch Feuer vernichtet.

Herzog Albrecht V. hat im März 1421 folgenden „Ruef“ an den verschiedensten Plätzen Wiens verkünden hat lassen:

“Hoert und merkhet maenikleich: euch let wissen mein gnaediger herr Herzog Albrecht, dasz der obgenant unser gnaediger herr alle Juedischheit allenthalben in seinem landt auf heutigen tag geschafft zu richten mit dem prannt.“

Das „Prannthaus“ war dabei eine einfache wie stabile Konstruktion aus Holz, Wachs und Pech, in dem genügend Platz vorhanden sein musste um 210 jüdische Männer und Frauen dem Feuertod zu übergeben, weil sie sich geweigert hatten, die Taufe zu empfangen. (Andere Quellen sprechen von rund 200 Personen.) In Karren zur Gänseweid gebracht, wurden sie ein letztes Mal vor die Wahl gestellt. Keiner aus jener Gruppe ist konvertiert.

Dafür ist er persönlich gekommen, der Herzog, um diesem Schauspiel beizuwohnen und man erzählte sich, noch lange Zeit seien trotzig hebräische Gesänge zu hören gewesen, bevor die letzten Schreie vom Märzwind fortgetragen wurden.

Dieser Judenverfolgung dürften politische, vor allem aber auch finanzielle Interessen zugrunde gelegen haben. So berichten verschiedene Quellen von Folter und Kerker vor allem für reicheren Juden, um die Verstecke geheimer Schätze zu erfahren. Die ärmeren Schichten waren schon zuvor aus dem Land gewiesen worden, zum Teil in kleinen Booten ohne Ruder, die hilflos dem damals noch ungezähmten Donaustrom ausgeliefert wurden. Viele sollen es unbeschadet bis nach Pressburg geschafft haben.

Unterstellt wurde der jüdischen Bevölkerung auch, Waffen an die verhassten Hussiten verkauft zu haben, worauf der Herzog, den man gemeinhin auch als „Hussitenfresser“ bezeichnete, trotzig den Schwur tat, er würde sich im Falle einer Niederlage grimmig an den Juden rächen. Als Albrecht im August 1420 erfolglos aus Böhmen heimkehren musste, war das Schicksal der jüdischen Bevölkerung praktisch besiegelt.

In diese Zeit fallen auch viele Zwangstaufen, vor allem von Kindern, die ebenfalls auf den Willen des Herzogs zurück zu führen sein dürften. Wie viele dieser Kinder einen Märtyrertod starben, anstelle das Christentum aufgezwungen zu bekommen, kann heute nur noch erahnt werden.

Kegelgasse_JudenverfolgungDie Hinrichtungsstätte „Gänsweyd“ lag in unserem Bezirk, in etwa dort, wo heute die Kegelgasse in die Weißgerberlände mündet.

 

Liebe ki3-Leser dieser Bericht enthält teilweise recht unleserliche Beschreibungen und auch abwertende Ausdrücke – die liegt an den Originalaussagen aus dem Mittelalter, von denen wir uns aus heutiger Sicht natürlich distanzieren.

 

 

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